Medienecho - Ludwig Mathar Paul Friedrich, Ein rheinischer Familienroman,  Deutsche Zeitung, Berlin 19.9.1923 Nie hätte ich geglaubt, daß der bürgerliche Roman des neunzehnten Jahrhunderts, der mit Wilhelm Meister einsetzte und mit den elegischen „Buddenbrooks“ ausklang, in diesen Zeiten der Ständeumschichtung noch eine Nachblüte zeitigen würde. Und nun ist es doch der Fall. Und zwar handelt es sich um ein so recht saftiges und von innerster Kraft und bürgerlicher Gesundheit strotzendes Buch, wie man es lange nicht mehr gelesen hat, ein Buch, bei dem einem das Herz lacht. Sein Verfasser  heißt Ludwig Mathar. Er stammt aus dem jetzt zwangsweise an Belgien abgepreßten Monschauer Ländle, in dem auch sein Roman spielt, der "Das Glück der Ölbers“ heißt, bei J. P. Bachem in Köln erschienen istund die Teilnahme aller Deutschen vollauf verdient. Mathar hat in ihm dem zähen und strebsamen Fleiß der aus Hessen stammenden Oelbers und vorzüglich des Berntjörg Oelbers ein prächtiges Denkmal gesetzt. Der Roman ist in mehr als einer Hinsicht das direkte Gegenstück zu Thomas Manns Chronik vom Verfall des lübischen Patrizierhauses Buddenbrook. Mathars Buch schildert im Gegensatz zu dem nach kurzer Blüte absteigenden Leben des norddeutschen Kaufmannsgeschlechts das trotz vieler Fehlschläge unaufhörliche Höherstreben des Hauses B. G. Oelbers, Tuchwaren-Fabrik in Monschau, dessen bester Abnehmer der siegreiche Preußenkönig samt seiner Armee, dessen fürstlicher Patron und Schutzherr der hochsinnige Karl Theodor von der Pfalz, der spätere bayrische Kurfürst ist. Herrscht bei Thomas Mann ein durch einen leisen spöttischen Humor wie mit Flageolettönen durchsetztes Moll vor, so schmettert aus Ludwig Mathars Buch eiene unbändige Lebenslust und Arbeitsfreude. Hat sich Mann hinter dem Chronisten der Familientragödie versteckt und sich möglichst unpersönlich als reinen Schilderer eines „Falles“ gegeben, um dadurch dem Ganzen die künstlerische Distanz zu wahren, so bricht Mathars berserkerhaftes rheinisches Temperament mit Pauken und Trompeten überall Bahn. Manns Humor hat immer etwas leis Vergrämtes, Überschattetes. Mathar läßt noch aus den dunkelsten Seiten seiner „“Chronik“ das Licht eines unbesiegbaren Lebensglaubens scheinen. Man vermißt möglichst ein allzu liebevolles Eingehen in die wirtschaftliche Seite der Firma Buddenbrook. Mathars herrlichem Feuer gelingt es, selbst die scheinbar trockensten Einzelheiten des Scherens, Walkens, Rauhens der Tuche für jeden Leser über das Kommerzielle hinaus anziehend zu machen. Dabei hat man nie das Gefühl künstlicher Übersteigerung wie z.B. in dem Schiller-Roman Walter von Molos. Home weiter